(M)ein Langschläfer - Aufwecken oder schlafen lassen?

  • Hallo zusammen,


    seit 2011 besitze ich ein wunderschönes Golf 1 Cabrio, Bj. 1992, 2H, 72 kW/98 PS. Gekauft habe ich es damals mit 215.000 km auf der Uhr und bin in den darauffolgenden zwei Jahren selbst nur 5.000 km damit gefahren. 2013 habe ich es ursprünglich nur in den Saison-Winterschlaf geschickt, dann hat es mich beruflich aber erst durch Deutschland und dann ins Ausland verschlagen. Zwölf Jahre später schläft es also immer noch. Sauber, trocken und belüftet steht es in einer Garage, vollgetankt und leicht aufgebockt mit alten Standrädern dran. Mehrfach jährlich schaue ich für nostalgische Streicheleinheiten vorbei und sehe nach dem Rechten. Leider ist jedoch kürzlich die Grundbesitzerin der Garage verstorben, und das Auto kann nicht dort bleiben, wo es ist. Nachziehen oder mitnehmen kann ich es leider auch nicht.


    Über den Jahreswechsel 2025/26 haben wir Motoröl und Ölfilter gewechselt, dann den Motor von Hand durchgedreht (ging superleicht) und noch einen Kompressionstest gemacht (wenn auch bei kaltem Motor). Die Ergebnisse sind unter den Umständen okay, würde ich sagen, nur Zylinder 2 schwächelt etwas (in PSI: Z1: 140, Z2: 120, Z3: 150, Z4: 155). Der Motor ist also zumindest mal nicht tot.


    Am Auto gab und gibt es ein paar dringende Dinge zu tun: Zum einen ging die Kupplung zuletzt sehr schwer, zum anderen begann die Servolenkung nach einem Starkregen damals quietschende, fast kreischende Geräusche von sich zu geben beim Lenken, und zuletzt sind neue Bremsen fällig.

    Ansonsten gibt es nach so langer Standzeit natürlich tonnenweise Service und Instandsetzung zu machen, auch weil es von den zwei Vorbesitzern leider keine Dokumentation gab. Außer dem Üblichen (Flüssigkeiten, Riemen, Filter, Zündung, Pumpen etc.) wäre eine gründliche Inspektion angemessen - bei der man dann sicherlich auch noch die Fälligkeit von einigen Dingen wie diversen Leitungen, Fahrwerksteilen, Lagern und Dichtungen feststellt.


    Lange Rede, kurzer Sinn: Was tun?


    a) Zeit, Geld und Liebe investieren, um dieses schöne Auto wieder wunderschön zu machen, vom TÜV abnehmen und anmelden, noch mal genüsslich auskosten und dann an einen ebenbürtigen Liebhaber abgeben.


    b) Das Auto so abgeben, wie es ist, in der Hoffnung, dass sich ihm jemand widmet und die Aufmerksamkeit gibt, die es benötigt, um wieder strahlend zur Eisdiele fahren zu können.


    c) Eine neue Garage suchen, das Auto umziehen, auf eine weitere Wertsteigerung hoffen und die große Instandsetzung noch mal für fünf bis zehn Jahre vertagen.


    Bewegen muss ich das Cabrio jetzt sowieso, da führt kein Weg dran vorbei. Ich würde mich selbst als technisch versiert beschreiben, mit einiger Schraubererfahrung an Autos und Zweirädern, kenne mich etwas mit Elektrik, Elektronik und Physik aus. Mein Bruder ist hilfreicherweise gelernter Kfz-Mechatroniker (erfahren vor allem in EVs) und steht mit Rat und Tat zur Seite. Wir haben allerdings weder eine Örtlichkeit zum in Ruhe Schrauben, eine Hebebühne oder Spezialwerkzeuge noch eine Werkstatt des Vertrauens.


    So viel mal zur lang überfälligen Vorstellung hier im Forum. Ich freue mich auf Meinungen zu meiner Situation, auch Option d), e) und f) höre ich mir sehr gerne an! Lasst mich wissen, was ihr denkt!


    Viele liebe Grüße,

    Moritz


    PS: Im Anhang ein paar Fotos.



  • moran

    Hat den Titel des Themas von „Mein Langschläfer - Aufwecken oder schlafen lassen?“ zu „(M)ein Langschläfer - Aufwecken oder schlafen lassen?“ geändert.
  • Hallo Moritz ,

    da hast du ein sehr schönes Schätzchen solange aufbewahrt , ich schätze mal es ist ein grüner Classic Line mit einer schönen Beiger Innenausstattung? Was tun . Nach deiner Geschichte her , ist es doch garnicht so einfach da eine Entscheidung zu treffen, was man nun angeht , ich sag immer so . Lass Dein Herz entscheiden, ist die Liebe zu dem Altblech so groß, und die Leidenschaft packt dich wieder und wie du sagst das du dich Technisch auskennst , dann würde ich dieses schicke Cabrio nochmal instand setzten, in dieser Ausführung gibts die Classic Liner nur noch recht selten , wäre schade darum , meine Meinung ! Was sagen die Anderen dazu ? ........


    Schöne Grüße Katrin

  • Wie Katrin schon schreibt, wieder herrichten.

    Du hast in Deiner Nähe mit Sicherheit Mietwerkstätten mit Hebebühne.

    Und soviel wird da nicht im Argen liegen.

    Einen großen Service machen inkl Zahnriemen/Spannrolle...Zündung manuell einstellen.

    Batterie testen bzw ggf erneuern.

    Den alten Sprit ablassen/abpumpen und neuen Kraftstoffilter rein ( prüfen, ob die Kraftstoffpumpen laufen/fördern ! ).

    20 Liter Super+ rein....und mal gut warm laufen lassen. Wenn es keine Probleme gibt, Kurzzeitkennzeichen drauf, alles gut warm- bzw einfahren ( mal gut 200km ) und ab zum TÜV.

    metal rules - bang your head ! :hbang:

  • Hallo Moritz,

    schwierige Frage - aber meine Meinung dazu:


    Wertsteigerung wird es vermutlich in den nächsten 5 bis 10 Jahren nicht groß geben. Für eine Unterstellmöglichkeit musst du ja auch zahlen und alleine dadurch frisst sich das gegenseitig auf. Wir sprechen hier nicht von nem 911er oder SL. ;) Bei solchen Fahrzeugen könnte man vielleicht auf deine Option c) hoffen.


    Ob a) oder b) liegt alleine an dir selbst. Ich entnehme deinem Text, dass ein längerfristiges Behalten für dich keine Option darstellt?


    Es ist ungewiss wieviel Arbeit, Zeit und Geld du reinstecken müsstest, um das Cabrio über den TÜV zu bringen und einen technisch und optisch wieder guten Zustand zu versetzen. Sicherlich könntest du das Auto dann für mehr Geld an den nächsten Liebhaber weitergeben. Und du schreibst selbst, dass Kompetenzen zwar vorhanden, aber Schraubermöglichkeiten bei dir nicht wirklich gegeben sind. Da wird schon mehr als ein Tag Arbeit reinfließen.
    Ich würde versuchen gemeinsam mit deinem Bruder den Aufwand (großzügig) abzuschätzen und platztechnische Möglichkeiten zur Umsetzung ausloten. Wenn das zielführend ist, würde ich zu Option a) tendieren.


    Wenn Zeit knapp ist oder die Aufwandsabschätzung ausufert, eher b). Finden wird sich für das Auto sicherlich jemand - ob dir der Erlös gefällt, steht dann auf einem anderen Blatt.


    Viel Erfolg beim Treffen der Entscheidung!

    Viele Grüße,
    Jan

  • Ich finde das Cabrio auf den ersten Blick auch absolut erhaltenswert.


    Zur Wertsteigerung: ich denke, es gab vor ein paar Jahren einen großen Run und die Preise haben sich ja auch wieder etwas in die gesunde Richtung entwickelt. Das ist nur meine persönliche Meinung aber, irgendwann hat jedes Auto eine Wertschwelle erreicht, die kaum noch zu übertreffen ist. Da kommen dann in der Preisklasse ganz andere Kaliber. Ein gut gepflegtes und gewartetes Auto ist und wird immer mehr wert sein, als ein 10 Jahre in der Garage wartendes Auto - aber durch die Decke werden die Preise nicht gehen... Inflation ausgenommen 8o


    Zum Thema Herrichten kann ich nur sagen, fängt man einmal an, dann kommt das Eine zum Anderen. Aus Benzinpumpe wechseln wird schnell "der Tank ist rostig" und aus da stimmt was mit der Elektrik nicht, schnell zum großen "alles raus und Kabel durchmessen". Ob du aber, solltest du den Wagen dann verkaufen alles wieder rein bekommst an Teilen und Arbeit + den derzeitigen Verkaufswert, dass muss man dann sehen.


    Ich selbst habe grade ein G1C verkauft und es gab viele Interessenten, die mir auch ihre weiteren Angebote(waren teils wesentlich günstiger) gezeigt haben. Und meine Auflistung der Neuteile kam da trotzdem wenig gut an :D "bei dem Anderen ist es ja auch nicht defekt..... Noch nicht  :rolleyes: ;)


    Also bis zum frischen TÜV würde ich auf jeden Fall gehen - damit verkauft sich ein Auto einfach an eine größere Zielgruppe, denn nicht jeder hat die Garage mit Bühne und den Hänger zum Abholen 8)


    Du wirst schon die richtige Entscheidung treffen ²³

  • Hello! Ich bin selbst recht neu hier und arbeite mich an einem lang gestandenen Cabrio ab - allerdings sicherlich in wildem Zustand, verglichen mit Deinem. Ist ein spaßiges Projekt, und für mich lohnt es sich, weil ich mich einerseits selbst verwirklichen kann und andererseits ne Menge dabei lerne. Alleine das sind gute Motivatoren. Dass ich das Auto am Ende fahren will auch. Meine spontane Antwort ist logischerweise A. Andererseits…


    Du schreibst, als wärst Du in einer ausgewachsenen Entscheidungsparalyse. Außerdem schreibst Du, als wärst Du dem Auto was schuldig - und da liegt vielleicht der Hund begraben. Auch wenn in so einem Auto schon ein ziemlicher finanzieller Wert steckt, und ein ideeller noch dazu, ist es letztendlich ein Hobby. Und zu einem Hobby ein ambivalentes Verhältnis zu haben und es durchaus mal auf die lange Bank zu schieben ist absolut in Ordnung. Ich ruiniere mir meine eigenen regelmäßig mit einer ganz ähnlichen Entscheidungsparalyse, weil ich irgendwann vor diesen ganzen „man könnte doch“ und „man müsste doch“ sitze und gar nicht mehr so einen persönlichen Bezug dazu habe. Egal ob Fotografie, Radfahren oder was nicht alles. Dieses tiefe Bedürfnis in mir, ne optimale Entscheidung zu treffen oder ein all meinen Ansprüchen genügendes Ding auf die Beine zu stellen, führt mich immer mal wieder ins Leere.


    Deshalb ist meine ehrliche Antwort: wenn Dir der Golf auf‘m Gewissen liegt, dann verkauf‘ ihn. Eher schnell. Dann bist Du immerhin die Last los, und hast immer noch alle Möglichkeiten wie vorher, nur eben mit einem zukünftigen anderen Auto. Darüber hinaus ist ein lange stehendes Auto einfach ein Projekt mit Risiko, und eben auch mit ner Menge Frustrationspotential. Obwohl Hobbys eigentlich eher Spaß machen sollen.


    So oder so, halt‘ uns auf dem Laufenden! Aber finde Deine eigenen Erwartungen.

    Einmal editiert, zuletzt von baal ()

  • Dein Text hört sich für mich eher nach "Weg in dem Zustand" an - Augen zu und durch.

    Für ein Classic Line gibt es wenigstens auch als Scheunenfund mit über 200tkm noch etwas Geld.

  • Vielen Dank für eure Antworten und Argumente! :disk:


    Der Tenor ist doch dass das Auto etwas Aufmerksamkeit verdient und dem stimme ich zu. Vielleicht liegt die Antwort einfach darin wie viel Aufwand.


    Wie ObenOhne und stahlwerk sagen könnte das Ziel eine solide Fahrtauglichkeit und der TÜV sein, sodass sich das Auto nochmal genießen und dann gut verkaufen lässt. Zum Museumsstück kann es immer noch jemand erheben der/die hinterher auch die Früchte der Arbeit ernten wird. Zu viel Investition zahlt sich beim Verkauf offensichtlich nicht immer aus.


    Wertsteigerung wird es vermutlich in den nächsten 5 bis 10 Jahren nicht groß geben. Für eine Unterstellmöglichkeit musst du ja auch zahlen und alleine dadurch frisst sich das gegenseitig auf.

    Zur Wertsteigerung: ich denke, es gab vor ein paar Jahren einen großen Run und die Preise haben sich ja auch wieder etwas in die gesunde Richtung entwickelt. Das ist nur meine persönliche Meinung aber, irgendwann hat jedes Auto eine Wertschwelle erreicht, die kaum noch zu übertreffen ist.

    Das sehe ich genauso! Die Entwicklung steht mehr oder weniger im Zenit und irgendwie sind die Umstände mit der scheidenden Garage auch ein Zeichen.


    Ich werde die ganze Aktion jetzt erstmal aus der Entfernung planen. Dabei wird vor allem ein überdachter Ort zum Schrauben, wo das Auto für paar Wochen am Stück stehen kann, entscheidend sein. :eye: Damit steht oder fällt die Aktion. Bock habe ich auf jeden Fall, was gibt es schöneres als sich am eigenen heiligen Blechle zu verausgaben und Herausforderungen mit so toller Unterstützung wie hier zu meistern! Im Notfall sonst was acki sagt auch wenn es mir das Herz brechen würde :cry:. Sicherlich spielt auch die Saison eine Rolle beim Verkaufserfolg.


    In der Zwischenzeit folge ich weiterhin aufmerksam euren Projekten! Lernen tut man immer was, vor allem ObenOhne 's Aigner, baal 's 84er oder Hendrik aus Sachsen 's Restauration machen Spaß zu folgen! () :op10:


    Vielen Dank euch allen, fühl mich hier gut aufgehoben!! Viel Erfolg bei euren Projekten!!

    Sobald meine Kiste ins Rollen kommt poste ich hier updates!

    Bis denne! :wink: :weg:

  • Wenn ich mich nicht irre gibt es doch seit diesem Jahr eine neue EU Verordnung. Autos dürfen privat nur noch mit gültiger HU verkauft werden.

    Das ist geplant... :zzz:


    Kann bis zu 25 Jahren dauern, ähnlich wie bei Mercosur. :hihi:


    Ab voraussichtlich 2026 plant die EU im Rahmen der neuen Altfahrzeugrichtlinie, dass Gebrauchtwagen privat und gewerblich nur noch mit gültiger Hauptuntersuchung (HU) oder einem technischen Gutachten verkauft werden dürfen. Ziel ist es, den Verkauf von Schrottautos zu verhindern und die Kreislaufwirtschaft zu stärken.

    Wichtige Details der geplanten Regelung:

    Nachweispflicht: Beim Verkauf muss nachgewiesen werden, dass es sich nicht um ein "End-of-Life Vehicle" (Altfahrzeug) handelt.Dokumentation: Ein gültiger TÜV-Bericht (nicht älter als 3 Monate) oder ein technisches Gutachten ist erforderlich.Geltungsbereich: Dies betrifft den Online-Handel sowie den privaten Verkauf.Ziel: Verbesserung der Sicherheit, des Umweltschutzes und der Transparenz auf dem Gebrauchtwagenmarkt.

    Es handelt sich um geplante Maßnahmen zur Verschärfung des Verkaufs von Altautos, die den Handel mit nicht fahrtauglichen Fahrzeugen einschränken sollen.



    EU-Knallhart: Kein Gebrauchtwagenverkauf mehr ohne TÜV oder Gutachten – und warum das Oldtimer, Youngtimer und den Markt massiv trifft | klassik-teilemarkt.de
    Ab 2026 könnte eine Reform kommen, die den Gebrauchtwagenmarkt einmal komplett umkrempelt:Ohne aktuellen TÜV-Bericht oder technisches Gutachten soll ein
    klassik-teilemarkt.de



    ²³

    Wer mehr Geld hat, hat meist mehr Recht... :motz: :motz: :motz:


    ²³

  • mal ehrlich .... wer will das im privaten Bereich kontrollieren..... zumindest bei einem schon länger abgemeldeten Auto unmöglich .......


    Zum eigentlichen Thema ..... ich stehe ( mit dem Alfa) vor demselben Problem wie der TE -


    Der ursprüngliche Grund für die Anschaffung existiert nicht mehr ...... eigentlich sollte das ganze eine emotionslose Alltagskiste werden..... aber berufl. hat sich alles anders entwickelt und der Alf steht nun eigentlich nur herum oder ich liege darunter ..... seit 5 Jahren durchrepariert und angemeldet ( inzw. mit H) aber in den 5 Jahren 8000km gefahren .... 4000 davon 2023 auf einer Italienreise.... seit 2024 steht er nur herum ......


    Emotionslos ist das ganze dann wieder mal nicht geblieben ....... aber die Entscheidung ( Vernunft hat ausnahmsweise mal gesiegt) ist gefallen .... der bekommt nun nochmal neuen TÜV und dann geht er auf den Oldtimer-Markt.....

    Mein Lieblingsplatz ist ganz dünnes Eis ........

  • So liebe Leute, jetzt gibt es ein kurzes Update, auch wenn es nicht wirklich eins gibt.


    Die Suche nach einem Ort zum Schrauben erweist sich schwieriger als gedacht. In meinem Landkreis (+/- 30km) gibt es wenige passende Angebote die normalweise mit einer sehr hohen Nachfragen gepaart sind. Bisher habe ich entweder keine Antworten auf meine Kontaktversuche bekommen, oder die Anbieter lehnen eine Nutzung als Werkstatt, eine kurzzeitige Miete (~4 Wochen) oder beides ab. Somit geht die Suche erstmal weiter. :eye:


    Nach dem was todi geposted hat, wird TÜV wohl das Ziel sein. Hab natürlich auch Lust vor dem Verkauf nochmal selbst in den Genuss des Cabrios zu kommen :love3:


    Gibt es hier im Forum Leute aus dem Landkreis Tübingen oder Umgebung?


    Eine gute Woche allerseits!

    Einmal editiert, zuletzt von moran ()