Golf 1 Cabrio 1988, 1.8 JH Motor, schlechter Warmlauf, springt warm kaum an

  • Hallo zusammen,


    erst mal sorry dass mein erster Post gleich ein technisches Problem ist. Mir ist vor zwei Wochen ein Cabrio zugelaufen. Ein guter Freund von mir wollte es los werden und ich konnte nicht nein sagen. Er hat das Auto schon sehr lange und da er technisch keine Ahnung hat, hat er mit einigen Problemen einfach gelebt die ich aber auf jeden Fall los werden möchte.

    Zum Auto: Golf 1 Cabrio, 200tkm, (gebrauchter AT Motor irgendwann mal bei 150tkm), 1988, 1.8 JH Motor


    Problembeschreibung als ich das Fahrzeug übernommen habe:

    -Auto springt warm schlecht an, nur mit "Zusatzgas"

    -Auto läuft warm unrund

    -In "recht spezifischen" Situationen verhält sich die Gassanahme sehr komisch:

    Fährt man, mit warmen Fahrzeug, z.B. auf die Autobahn im 4. Gang bei 80kmh und beschleunigt, z. B. mit Vollgas, auf so ca. 120kmh, fällt plötzlich die Leistung weg. Allerdings nicht komplett, das Fahrzeug hält so 100kmh aber nimmt, auch bei Vollgas, keine weitere Leistung mehr an. Ein paar Momente später (können 10, können aber auch 60 Sekunden sein) beschleunigt das Fahrzeug plötzlich wieder als wäre nichts gewesen. Manchmal hilft es mit dem Gaspedal zu spielen, um die Zeit zu verkürzen.


    Ich hatte sehr viele Vermutungen dass es am fehlenden Benzin liegt... weil es keine harten Zündaussetzer sind. Ich bin jetzt allerdings mit meinem Latein am Ende. Was ich alles gemacht und geprüft habe:


    -Tankentlüftung -> Das Auto hat schon einen belüfteten Tankdeckel (vermutlich nachgerüstet, original sollte er ja keinen haben)

    -Steuerzeiten -> Passen

    -Zündung: Ich hab alles neu gemacht, FInger, Kappe, Kabel, Kerzen, alles original Bosch, Eingestellt auf 6 Grad vor OT ohne Unterdruck

    -Benzin: Neuer Kraftstoffilter, beide Pumpen laufen, Fördermenge ordentlich

    -K-Jetronic: Pumpendruck 6.5-7 Bar, Systemdruck 4.9 bar, Steuerdruck ist jetzt (so bei 20Grad) bei 2 Bar und geht dann sauber und zügig hoch bis auf 3.5 Bar wenn er warm wird und bleibt dort

    -Druckspeicher: ist neu, Anlage hält den Haltedruck wunderbar (über Nacht getestet)

    -Einspritzdüsen: Tropfen nicht, Spritzbild ist gut (ausgebaut getestet)

    -Falschluft: Hatte er am Balg zwischen Ansaugbrücke zu K-Jet und bei einer Unterdruckleitung - alles getauscht und alles mit Nebelmaschine abgenebelt. Keine weitern Lecks

    -Lambdasonde - passt von der Teilenummer, sieht recht neu aus (035906265B)

    -Luftfilter: neu

    -Kaltstartventil: spritzt nicht ein während der Motor warm ist und schlecht läuft, tropft nicht nach

    Zusatzluftschieber: Ausgebaut, gereinigt, bisserl geölt. Heizelement 12 V an Batterie, innerhalb von 2-3 Min ist die Öffnung zu, selbiges mit Heißluftföhn getestet, geht auch zu. Allerdings kann ich, mit etwas Widerstand (sehr wenig) noch durchblasen - selbst wenn die Öffnung zu ist. Allerdings hab ich den Schlauch vom Zusatzluftschieber abgeklemmt - der schlechte Warmmotorlauf bleibt. (siehe unten)

    Tastverhältnis: Springt so zwischen 45-50 % hin und her. Sollte also auch passen


    Ich habe da Auto aktuell auf der Bühne und kann nicht fahren, deswegen kann ich nicht sagen ob das Fehlerbild mit "nimmt kein Gas bei 80 im 4. Gang an" weiterhin besteht. Was aber ganz deutlich ist: Motor springt kalt auf den ersten Schlüsseldreh an, läuft wie ein Glöckchen. Nach 3-4 Minuten läuft der Motor immer schlechter, wechselt leicht die Drehzahl, stirbt zwar nicht ab aber läuft einfach nicht schön. Macht man den Motor warm aus -> anspringen tut er dann nur noch mit "Zusatzgas" - aber auch nur mit ordentlich orgeln und weit weg von schön. Während der ganzen Zeit bleibt System wie Steuerdruck konstant und gut.


    Was mir noch aufgefallen ist. Der Stecker der Lambdasonde war ab - entweder war ich das beim Steuerzeiten kontrollieren - oder jemand hat das extra gemacht. Außerdem gibt es eine zweite "unbenutze" Buchse die genau so aussieht wie die von der Lambdasonde. Warum das so ist muss ich noch rausfinden. Die Lambdasonde hab ich mit dem passenden Gegenstecker (der auch die schwarze Tülle hat) verbunden.


    Was meint Ihr? Danke danke danke!

  • Lambdasonde, Kabelbaum oder Steuergerät wären spontane Kandidaten, die mir in den Sinn kommen.

    Hast Du einen Mengenvergleich der Kanäle vom Mengenteiler mit und ohne Düsen gemacht?

  • Danke für die schnelle Antwort. Gibts denn irgendwo eine Doku wie ich Sonde, Baum und Steuergerät teste? Sonde gegen Masse und gucken ob sie pendelt.. der Rest?


    Mengenvergleich, nein - wäre das dann nicht aber auch beim Kaltlauf relevant?

  • Danke für die schnelle Antwort. Gibts denn irgendwo eine Doku wie ich Sonde, Baum und Steuergerät teste? Sonde gegen Masse und gucken ob sie pendelt.. der Rest?


    Mengenvergleich, nein - wäre das dann nicht aber auch beim Kaltlauf relevant?

    Diese verbauten Lambdasonden sind sog Sprungsonden.

    Wie man die testet, findest im web unter "Lambdasonde prüfen".

    Ich würde die prophylaktisch erneuern.


    Und wie acki schon schreibt, einen Mengenabgleich vornehmen.

    WICHTIG dabei:

    Die Batterie muss während des Messvoeganges konstant min. 12Volt haben ( an Ladegerät angeschlossen), ansonsten gibt es verfälschte Messergebnisse !

    Auch dazu findest Anleitungen und Videos im web.

    metal rules - bang your head ! :hbang:

  • Ok vielen Dank. Ich muss mal sehen wann ich wieder ans Auto komme und Zeit finde - Bis dahin habe ich Fragen, viele Fragen.


    Ich habe mir den Stromlaufplan Nr. 43 geholt - 1.8L Kjet 70KW. Motor JH ab 87. Sollte ja passen (in der Hoffnung dass mein Austauschmotor auch ab da ist).


    Folgende Werte habe ich mir aufgeschrieben und verglichen:

    N17 Kaltstartventil - Soll ro/sw & gn/ws -> Ist ro/sw & gn/ws

    N21 Zusatzluftschieber - Soll br & ro/ws -> Ist gr & ro/sw

    T2M Tastfrequenz - Soll bl/ws & br/bl -> Ist bl&ws & braun


    Also Kaltstartventil passt. Zusatzluftschieber und Tasfrequenz ist schon mal anders - hm.


    Eine weitere Frage. Ab wann muss Spannung am Zusatzluftschieber anliegen - so dass das Thermoelement da drin heizt? Bei Zündung? Sobald der Motor läuft?


    Desweiteren habe ich, in der Nähe des "Gucklochs" für den Zündzeitpunkt an der Getriebeglocke, noch ein Kabel mit blau/weiß gefunden welches da nur rumhängt...(Ist das auch für Tastfrequenz?)


    Und dann meine liebste Frage.... ich bin mal dem zweiten Stecker nachgegangen... warum.. warum hab ich zwei Lambdasonden? war das irgend ein Kaltlaufreglerdingensnachrüstungsgeschichte? Aber ich dachte die gabs für JH nicht?

  • Hallo, ich wäre immer noch sehr dankbar wenn sich jemand der Thematik Kabelfarben und warum 2. Sonde annehmen könnte.


    Ich habe nun die Mengen gemessen. Batterie frisch geladen, Benzinpumpe gebrückt und dann die Stauscheibe gehoben. Motor kalt.

    Ich habe den Sprit in Glässchen laufen lassen die ich vorher gewogen habe. Die Glässchen hatten alle, bis aufs Gramm das gleiche Gewicht.


    Resultat, ohne Einspritzdüsen, ca. 60 Sekunden angehoben:

    Zylinder 1 107g

    Zylinder 2 107g

    Zylinder 3 108g

    Zylinder 4 107g

    Ergo - alle gleich. Ich denke die Waage hat 1g Toleranz drin.


    Dann mit Einspritzdüsen:

    Zylinder1 106g

    Zylinder2 100g

    Zylinder3 102g

    Zylinder4 109g


    Dabei ist mir aufgefallen dass die Zylinder 1-3 ein Datum auf der Einspritzdüse haben von 2021, Zylinder4 von 2017.

    Auf jeden Fall, wenn wir jetzt mal die 100g als Basis nehmen haben wir Abweichungen von 2,6 und 9g und somit auch %.

    Ergo sind wir (knapp) unter 10% und damit noch im Bereich der Norm?

  • Ich führe meinen Monolog mal weiter. Vielleicht hilfts später mal jemand oder Ihr findet noch weitere Punkte.


    Nachdem meine K-Jet jetzt eigentlich auf Herz und Nieren getestet ist (Taktventil arbeitet auch, summt vor sich hin) hab ich mich noch mal auf die Verkabelung konzentriert - und wenigstens im Kleinen das Rätsel der Kabelfarben gelöst. Ich bin mal allen "unsinnvollen" Kabelfarben nachgegangen und habe, schön versteckt hinter der Ansaugbrücke, einen Art "EinbaudazwischenKabelbaum" gefunden. In dem Kabelbaum war der Stecker des Zusatzluftschiebers eingebunden (mit den korrekten Kabelfraben (braun, rotweiß). Der Kabelbaum geht zu einer Unterdruckdose (die an einem Verteiler der Ansaugbrücke hängt) die an der Jetronic befestigt ist und KEINERLEI Aufschrift trägt (weder Teilenummer noch sonst was). Die Druckdose hat undendlich Widerstand und ändert das auch nicht wenn man Unterdruck anlegt. Ich hab den Kabelbaum, samt Dose, dann rausgeworfen und den Zusatzluftschieber direkt angeschlossen. Außerdem hab ich noch ein loses Massekabel gefunden und verbunden.

    Für was die Dose da war? Hm.. Einfluss auf den Zusatzluftschieber, verändertes Kaltstartverhalten, Abgasnorm? Oder ist das eine dieser Drucksprungschalter? No idea...


    Edit: Jetzt rausgefunden nach langem googeln. Es ist der Drucksprungschalter der zusäztlich etwas übers Kaltstartventil einspritzt bei "spontanem" Vollgas. Aber das Ding war am Zusatzluftschieber angeschlossen (gleicher Stecker)... args.


    Der Motor lief dann kalt nicht mehr so schön wie vorher - ABER warm springt er jetzt an und läuft wesentlich besser (noch nicht perfekt aber lets see Lambda). Was er immer noch hat ist dass er noch einem Gasstoß in den Drehzahlkeller fällt und dann ne Sekunde braucht bis er sich wieder erholt.


    Zum Thema Lambda - ich hab leider kein Oszi - am Multimeter lagen bei der Lambda 0.5V an - ich weiß nicht ob mein Multimeter da einen Mittelwert bildet weil es zu schnell wechselt. Bei einem Gasstoß fällt der Wert auf 0.1V ab bis er sich wieder auf 0.5 erholt.

    Allerdings ist mir dann aufgefallen dass der Stecker der Lambdasonde beschädigt ist. Da hatte ich in anderen Posts schon mal gelesen dass das bezüglich Schirmung und Co kritisch ist.

    Das Tastverhältnis hängt "meist" bei 99% fest.

    Ich hab natürlich keine Idee was bei dem Auto (das zu mir kam ohne Lambdasonde und mit Tonnen an Falschluft und dem komischen Kabelbaum) eingestellt wurde damit er läuft und durch die ASU kommt. Bzw. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen dass er SO durch die ASU gekommen ist vor einem Jahr.


    Ich versuche nun mal die Lambdaregelung hinzubekommen damit ich ein Tastverhältnis von um die 50% habe. Für weitere Hinweise bin ich sehr dankbar.


    Lambdakabel


    Dose


    Zusatzkabelbaum

    2 Mal editiert, zuletzt von nostra23 ()

  • Ich würde auch hier, wie bei allen alten Autos, ALLE Massepunkte abgehen, blank machen/neue Ösen/Klemmen verbauen.

    Der Stromfluss ist da immer ein Thema !

    metal rules - bang your head ! :hbang:

  • Vielleicht liest ja noch wer mit...


    Also nachdem ich alle Massepunkte sauber gemacht habe, hab ich mir bei Kleinanzeigen ein komplettes Steuergerät samt Kabelbaum geholt - als Vorlage. Die Drucksprungdose samt den dazwischengebastelten Kabelbaum hab ich rausgenommen und alles so verkabelt wie ich es erkennen konnte (Kaltstartventil und Zusatzluftschieber an den "Nicht"-Steuergerätkabelbaum mit korrekten Farben, alle anderen Farben/Stecker geprüft).

    Dazu habe ich die komplette Ansaugung noch mal unter Rauch gelegt und gesehen dass beim Nadellager der Drosselklappe doch eine erhebliche Menge Falschluft gezogen wird. Nach Recherche der korrekten Lager, hab ich neue Nadellager verbaut. Jetzt rauchts nirgends mehr durch.


    Dazu hab ich eine neue Lambdasonde verbaut die aber auch kein Signal geliefert hat. Nachdem ich die Leitungen durchgemessen habe, hatte ich auf dem Lambda-Stecker (der zum Steuergerät geht) einen Masseschluss. Da mir das echt zu doof wurde hab den gekauften Kabelbaum samt Steuergerät temporär verbaut.

    Das Taktventil taktet nun, das Tastverhältnis bekomme ich aber nicht gut gemessen. Mein Multimeter springt wild oder zeigt nichts. Ich hab es mit einem anderen Mulitemter gemessen welches DWELL kann - damit konnte ich den Wert auf um die 50 pendelnd einstellen - ich bin mir aber nicht sicher ob das so geklappt hat. Ich muss da morgen noch mal nachmessen.


    Es klingt ja eigentlich so als wären damit einige Probleme gelöst - aber nun stehe ich vor folgendem Rätsel:

    Kalt springt der Wagen sofort an, nimmt aber dann kein Gas an. Bei zu viel Gas geht er einfach aus. Sobald der Motor warm ist nimmt er sehr willig Gas an und läuft auf gut. Aber wenn ich den Motor dann aus mache und wieder versuche zu starten muss ich mind. 5-6 Sekunden orgeln bis er dann so lala anspringt - er fängt sich aber dann recht schnell. Klingt eigentlich nach Krafstoffdruckproblem - aber der ist weiterhin, von Steuer- und Systemdruckseite her, gut)


    Im Kaltlauf sollte die Lambdaregelung noch gar nicht aktiv sein oder? Also hab ich jetzt noch ein Problem...? Oder spinnt meine Lambdaregelung noch immer und fettet dermaßen an dass ich das Gemisch, an der CO Schraube, so mager gedreht hab dass er im Kaltlauf, ohne die Lambdaregelung, kein Gas annimmt?


    Ich werde morgen noch mal alle Bauteile prüfen. Für Hinweise bin ich dankbar!


    P.S. gerade gefunden.. bei mir ist der Thermoschalter F026T03102 verbaut... mit 15 Grad. Rein gehört aber F 026 T03 100 mit 35 Grad. Kann das mein "Nimmt kalt kein Gas an" sein?

    Einmal editiert, zuletzt von nostra23 ()

  • Bau den korrekten Thermoschalter ein. Siehst ja dann, was er macht.

    Danach warmfahren und den CO nochmal nachkorrigieren.


    Geh beim einstellen des CO bis knapp unter den höchsten zulässigen Wert. Damit läuft eine K-/KE-Jet am besten.


    Gilt auch für alle anderen Motoren wie 2H usw !

    metal rules - bang your head ! :hbang:

  • Trotzdem stellt sich die Frage, warum verbaut man einen "falschen" Thermoschalter ?!

    Oder dieser wurde in Unkenntnis falsch bestellt/geliefert/eingebaut....alles möglich.


    Mach auch später mal noch einen Mengenabgleich der Einspritzventile bei voll geöffneter Stauscheibe ( bei der Messung hängst die Batterie an ein Ladegerät damit permanent 12V während der Messung anliegen ), dann weißt Du auch hier, woran Du bist.

    Und auch die Zündung 2° früher einstellen als Sollwert.

    metal rules - bang your head ! :hbang: